Steuerfachangestellte/r – ein stressiger Job?

28. April 2016 von

Stress im Beruf ist ein Gefühl und jeder fühlt anders. Ich persönlich empfinde, dass Steuerfachangestellter ein Job ist, bei dem es mitunter hektisch zugeht. In diesem Artikel möchte ich erklären, wann der Steuerfachangestellten-Beruf anstrengend werden kann.

Ausbildung ist nie stressfrei

Ich denke, jetzt in der Ausbildung empfindet man sowieso alles stressiger. Denn vieles ist neu und das Gehirn muss ständig dazu lernen. Hinzu kommt: Dinge, die einem in der Schule vermittelt werden, werden vielleicht in der Praxis anders umgesetzt. Oder Dinge, die Du in der Kanzlei bereits anwenden musst, wurden in der Berufsschule noch gar nicht so ausführlich behandelt. Auch damit musst Du in der Ausbildung erst mal umzugehen wissen.

Stress durch Fristen

Eine andere Sache, die den Steuerfachangestellten-Beruf mitunter anspruchsvoll macht, sind die einzuhaltenden Fristen und Termine. Das kennst Du vielleicht schon aus Deinem Schulalltag: Wenn Du in der Schule für eine Projektarbeit einen Abgabetermin vorgegeben bekommst, musst Du bis dahin alles erledigt und beim jeweiligen Lehrer pünktlich eingereicht haben. Nicht selten entsteht kurz vor dem Abgabetermin Zeitdruck, weil noch nicht alles fertig ist. Damit muss man aber in fast jedem Job umgehen können – natürlich auch als Steuerfachangestellte/r.

Steuerfachangestellte ohne erkennbaren Stress trotz vieler gleichzeitiger Telefonanrufe
Als Steuerfachangestellte/r kannst Du einigen Stressfaktoren ausgesetzt sein: Mandanten, die kurzfristig Deine Hilfe brauchen, einzuhaltende Fristen vom Finanzamt oder Dein Chef, der dringend eine Zuarbeit benötigt. Wie Du bzw. Deine Kanzlei damit umgeht und wie viel Stress, Du dabei empfindest, ist immer individuell.

 

Diese Fristen solltest Du beachten

Nachfolgend habe ich wichtige Fristen zusammengefasst, die Du als Steuerfachangestellte/r unbedingt kennen musst.

Frist zur Umsatzsteuervoranmeldung
Postlauffrist
Frist zur Abgabe der Steuererklärung

Wie in meinem Artikel über Rechnungswesen bereits dargestellt, kommt es auch hier darauf an, was man macht. Ist man 4/3 – Rechner oder Bilanzierer und wie viel Einkommen erzielt der Mandant im Jahr. Es gibt zum Beispiel die Frist der Umsatzsteuervoranmeldung (Umsatzsteuer ist der Fachbegriff, im Volksmund heißt die Umsatzsteuer Mehrwertsteuer). Da gibt es drei Größen und drei Fristen.

  1. Betrug die Umsatzsteuer-Schuld im vorangegangenen Kalenderjahr weniger oder bis 1000 € ist der Mandant ein sog. Jahreszahler. Er zahlt also einmal im Jahr seine USt- Schuld.
  2. Betrug die Umsatzsteuer-Schuld im vorangegangenen Kalenderjahr weniger oder bis 7.500 € ist der Mandant Quartalszahler. Das heißt für die Monate Januar/Februar/März/April muss bis zum 10. April die Umsatzsteuer-Voranmeldung beim Finanzamt eingereicht sein.
  3. Betrug die Umsatzsteuer-Schuld im vorangegangenen Kalenderjahr mehr als 7.500 € ist er Monatszahler. Das heißt für Januar muss bis zum 10. Februar die USt-Voranmeldung beim Finanzamt eingereicht sein.

Die Umsatzsteuerschuld (Umsatzsteuertraglast) ergibt sich immer aus der Finanzbuchhaltung. Im Normalfall (Bsp. 3) ist die Voranmeldung immer bis zum 10. des Folgemonats abzugeben. Die Umsatzsteuerschuld (Traglast) ergibt sich, indem man die Vorsteuer von der Umsatzsteuer abzieht. Die Vorsteuer ist im Prinzip die Umsatzsteuer, die ein Mandant in seinen Eingangsrechnungen bezahlt. Ob sich ein Mandant die Vorsteuer „ziehen“ darf, ist von vielen Kriterien abhängig. Ein Kleinunternehmer oder ein selbstständiger Arzt dürfen beispielsweise  keine Umsatzsteuer auf ihren Rechnungen ausweisen, also keine Vorsteuer „ziehen“.  Vorsteuer „ziehen“ heißt, dass die gezahlte Umsatzsteuer mit der eingenommenen Umsatzsteuer verrechnet wird.

Dann gibt es z. B. noch die Frist das man bis zum 31. Mai des Folgejahres seine Steuererklärungen beim Finanzamt abzugeben hat oder die Postlauffrist (Bekanntgabe eines Verwaltungsaktes), also ab wann ein Bescheid vom Finanzamt gültig ist, in Verbindung mit der Einspruchsfrist bei Bescheiden, also bis wann man Widerspruch erheben darf.

Ein Beispiel verdeutlicht die Theorie besser:

Mandant A bekommt Post vom Finanzamt. Datum des Schreibens ist Montag der 03.01.2016.
Beginn Postlauffrist: 03.01.2016
Dauer: 3 Tage (4.01./05.01./06.01.)
Ende: 06.01.2016

Jetzt stimmt etwas in dem Bescheid nicht und Mandant A will Einspruch erheben.

Beginn: mit Bekanntgabe des Verwaltungsaktes/ 1 Tag darauf: 07.01.2016
Dauer: 1 Monat
Ende: 07.02.2016

Also kann Mandant A bis 07.02.2016 Einspruch beim Finanzamt erheben.

Stressig oder entspannt?

Du siehst es gibt einiges, auf das Steuerfachangestellte achten müssen. Ich finde es schwer, immer an alles zu denken und dann kann es schon mal hektisch werden und Stress verursachen. Aber dazu bin ich ja in der Ausbildung. Man lernt allmählich die Abläufe komplett zu beherrschen und die Kollegen in der Kanzlei unterstützen, wo sie können. Sie erklären Dir alles und erinnern Dich auch manchmal an das ein oder andere.

Generell gilt: Je mehr Mandanten man betreut, desto enger wird folglich Dein Zeitfenster, das Du für jedes Mandat zur Verfügung hast. Folglich steigt das Stressniveau. Allerdings bekommst Du nach und nach eine gewisse Routine in die ganzen Abläufe. Dann pegelt sich der Arbeitsstress auf ein normales Maß ein. In diesem Punkt unterscheidet sich der Beruf des Steuerfachangestellten nicht von anderen Jobs, hat aber drei wesentliche Vorteile: zukunftssicherer Job, abwechslungsreiche Aufgaben und viele Aufstiegschancen.


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