Rechnungswesen – Das verbirgt sich dahinter

2. Februar 2016 von

In der Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten gibt es neben Rechnungswesen viele weitere Lerninhalte. Heute erklär ich Dir aber, was Rechnungswesen ist und was Du Dir darunter vorstellen kannst. Außerdem geh ich darauf ein, welche Inhalte zum Rechnungswesen in der Schule und in der Kanzlei vermittelt werden.

Andere Begriffe: Buchführung und Buchhaltung

Rechnungswesen hat eindeutig was mit Rechnen und Mathe zu tun. Genauer aber bedeutet es nix anderes als Buchführung, umgangssprachlich auch ,,Buchhaltung“ genannt. Sie ist die Grundlage für den Jahresabschluss, den jedes Unternehmen am Ende eines Jahres machen muss. In der Buchführung wird jeder Bank- und Kassenablauf erfasst, also jeder Rechnungseingang und Rechnungsausgang eines Unternehmens. Somit wird der genaue Gewinn oder Verlust des Unternehmens festgestellt.

Grundlagen im Rechnungswesen

Als aller erstes muss man unterscheiden zwischen Bilanzierer und 4/3-Rechner. Bilanzieren müssen grundsätzlich nur Kaufleute, die ein Handelsgewerbe betreiben. Kaufmann ist, wer ein in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb betreibt. Dazu muss zunächst ein Handelsgewerbe betrieben werden. Im Steuerrecht gibt es eine Umsatz- und Gewinngrenze, welche eine Buchführungspflicht nach sich zieht. Sofern ein Gewerbetreibender also nicht nach HGB (Handelsgesetzbuch) buchführungspflichtig ist, so ist er es beim Überschreiten der Grenzen nach Steuerrecht. Dabei ist ein Gewinn von mehr als 50.000 € oder ein Umsatz von mehr als 500.000 € ausschlaggebend. Vereinfacht kann also der Umsatz und der Gewinn als Anhaltspunkt zur Buchführungspflicht herangezogen werden. Bilanzierer sind demnach die ,,größeren´´ Unternehmen, welche viel Umsatz oder Gewinn erzielen. 4/3-Rechner ist beispielsweise der kleine Handwerker von nebenan.

Rechnungswesen mit Steuerfachangestellter am Computer
Beim Rechnungswesen arbeiten die Mitarbeiter und Auszubildenden in Steuerkanzleien mit moderner Software und Technik.

 

Wichtige Begriffe im Rechnungswesen

Eine Forderung ist z. B., wenn eine Holzfirma an jemanden Holz auf Rechnung verkauft. Dann fordert sie noch Geld von dem Käufer und das wird als Forderung in der Buchhaltung ausgewiesen. Der Käufer ist in diesem Fall der „Debitor“, der Fachbegriff für den Schuldner der Lieferung.

Eine Verbindlichkeit ist z. B., wenn ich für meine Holzfirma eine Maschine auf Rechnung kaufe. In diesem Fall bin ich dem Unternehmen, bei dem ich die Maschine erworben habe, noch Geld schuldig. Das Maschinenbauunternehmen ist dann der „Kreditor“, also das Gegenstück zum „Debitor“.

Ein Vorgeschmack auf die Praxis

Der Bilanzierer muss in seiner Buchhaltung alles einzeln ausweisen, jede Forderung und jede Verbindlichkeit. Das heißt, alles wird somit auch im Jahresabschluss ausgewiesen. Das dient dazu, um auch Zahlungsvorgänge, die vor oder nach dem jeweiligen Wirtschaftsjahr stattfanden, korrekt zuzuordnen.

Beispiel: Wir haben den 25.12.2015. Jemand kauft in unserer Holzfirma Holz und bezahlt dies am 17.01.2016. Also wird beim Bilanzierer dieser Zahlungsvorgang als Debitor verbucht und somit in der Bilanz 2015 ausgewiesen.

Anders ist es beim 4/3-Rechner. Alle Zahlungsvorgänge werden in dem Jahresabschluss ausgewiesen, in dem sie zu- oder abfließen.

Beispiel: Wir haben den 25.12.2015. Jemand kauft wieder Holz in unserer Holzfirma und bezahlt diese Ware am 17.01.2016. Somit wird der Zahlungsvorgang im Januar 2016 verbucht und taucht im Jahresabschluss 2016 auf.

Rechnungswesen in der Schule

In der Schule lernst Du die Grundlagen, die Du für die Praxis brauchst. Das heißt, man lernt den Kontenrahmen SKR 03 kennen. Das sind vierstellige Zahlenkombinationen und jede einzelne steht für ein Konto. Auf diese Konten buchst Du dann die Zahlungsvorgänge. Es gibt noch weitere Kontenrahmen, je nachdem was es für ein Unternehmen ist. Weiterhin lernst Du in der Schule auch theoretische, also gesetzliche, Grundlagen. Es wird gelehrt, wie man Darlehen berechnet und Personalkosten oder wie man Vergünstigungen berechnet z. B. einen betrieblich gestellten PKW. Ab diesem Zeitpunkt greifen die Fächer Rechnungswesen und Steuerlehre dann ziemlich ineinander.

Rechnungswesen in der Kanzlei

Das ist immer wieder spannend und macht echt viel Spaß. Buchführung in der Schule hört sich zuerst langweilig an, aber sobald man es praktisch machen muss, merkt man erst, wie vielfältig dieser Zweig doch ist. Jeder Betrieb ist anders, also ist auch jede Buchhaltung anders. Doch natürlich gibt es feste, wiederkehrende Regeln. Ich denke beispielsweise daran, wie man Geschenke, Geschäftsessen oder Warenretouren buchhalterisch behandelt. Bei jeder Buchhaltung lernst Du Neues – und in diesem Zusammenhang auch selbstständig – mit dem Gesetz umzugehen. Es ist einfach toll, am Ende ein Gesamtergebnis zu sehen. Denn schon während des Jahres begleitest Du Mandanten und erledigst die Buchhaltung für ihn. Zum Schluss erstellst Du daraus dann den Jahresabschluss und die Steuererklärung. Vor allem in der Ausbildung ist es schön, dieses Resultat in den Händen zu halten.

Tipp

Du möchtest mehr über Rechnungswesen lernen? Eine super verständliche Einführung gibt der Podcast von Hans-Peter Rühl.


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