Einführung ins Steuerrecht – Das 1. Semester an der Berufsakademie

15. September 2016 von

Das erste Semester in der Studienrichtung Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung an der Berufsakademie (BA) Leipzig ist für jeden, der noch keine Erfahrung mit einem geregelten Studienablauf hat, eine vollkommen neue Erfahrung. So war das auch bei mir. Ich benötigte eine gewisse Zeit, damit ich mich an den neuen Tages- und Wochenablauf gewöhnen konnte, da sich der Studienablauf erheblich von meinem bisherigen Schulalltag unterschied. An anderer Stelle hatten wir im Blog ja bereits über die Unterschiede zwischen Schule und Berufsschule in der Steuerfachangestellten-Ausbildung geschrieben. Damit Du Dich schnell an den neuen Ablauf im Studium gewöhnst, gebe ich Dir in diesem Beitrag einen kleinen Ausblick auf das erste Semester. Für den Fall, dass Du noch gar nichts über das duale Studium an der Berufsakademie weißt, kann ich meinen früheren Artikel „Steuern studieren an der Berufsakademie“ empfehlen.

Unterricht an einer Hochschule / Berufsakademie

Ein Studium mit steuerrechtlichem Schwerpunkt kann man an einigen Berufsakademien / Hochschulen studieren. An der BA Dresden gibt es z. B. den Studiengang „Steuern, Prüfungswesen, Consulting“, in Erfurt an der iba „Steuer- und Prüfungswesen“ und an der Hochschule Landshut „Duales Studium Steuern“.

Theoriephase: Ein normaler Tag an der BA Leipzig

Du wirst im ersten Semester des Studiengangs Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung viel Zeit an der Berufsakademie verbringen. Das hört sich zu Beginn recht stressig an, was es an den einen oder anderen Tagen auch durchaus sein wird, aber es ist notwendig. Besonders das erste Semester ist darauf ausgerichtet, möglichst viel Grundlagenwissen in den einzelnen Modulen zu vermitteln. Da Du unter Umständen noch keine bzw. nur wenig Erfahrung im Bereich Steuern sammeln konntest, rate ich Dir, bei möglichst vielen Vorlesungen anwesend zu sein. Sonst verlierst Du schnell den Anschluss, was besonders zu Beginn Deines Studiums zu großen Schwierigkeiten führen wird.

Wie läuft so ein Tag an der Berufsakademie genau ab?

Dein Tag beginnt fast ausschließlich um 8 Uhr morgens. Zumeist hast Du zwei oder drei Module täglich, welche sich häufig auf vier bis sechs Vorlesungen verteilen. Jede Deiner Vorlesung dauert 90 Minuten. Anschließend hast Du eine 30 minütige Pause, um Deine Akkus wieder für die neue Vorlesung aufzuladen. Während den Pausen kannst Du Dich selbstverständlich frei auf und außerhalb des Hochschulgeländes bewegen. Du kannst die Zeit aber auch nutzen, um Dir ein Buch in der Bibliothek auszuleihen oder einfach nur, um einen Happen in der Cafeteria essen zu gehen. Nach vier bis sechs Vorlesungen und entsprechenden Pausen endet Dein Tag häufig zwischen 15:30 Uhr und 19 Uhr. Jedoch muss ich hierbei ergänzen, dass Vorlesungen äußerst selten tatsächlich bis 19 Uhr stattfinden. Meistens ist bereits 18:30 Uhr Schluss, was zumindest ein kleines Trostpflaster ist. Die langen Unterrichtszeiten sind, wie bereits erwähnt, dem umfangreichen Grundwissen geschuldet, welches im ersten Semester vermittelt werden muss.

Du siehst also bereits, dass das erste Semester in der Studienrichtung Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung durchaus den einen oder anderen Stressmoment birgt. Damit Du die begrenzte Zeit, welche Dir für das Lernen zur Verfügung steht, möglichst effektiv nutzen kannst, empfehle ich Dir meinen Beitrag zum Thema 5 effektive Lerntipps für angehende Steuerfachangestellte.

Inhalte im 1. Semester an der Berufsakademie Leipzig

Studiengang: Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung

1. Grundlagen Vermögensmanagement

  • Begriffsbestimmungen
  • Systematisierung der Vermögenswerte
  • Anforderungen an das Management von Vermögenswerte

2. Einführung in die Steuerlehre

  • Darstellung des Steuersystems in Deutschland
  • Rechtsanwendung / Methodik im Steuerrecht

3. Grundlagen der Einkommensteuer, Besteuerung von Arbeitnehmern

  • Grundbegriffe des Einkommensteuerrechts
  • persönliche und sachliche Einkommensteuerpflicht
  • Veranlagung der Einkommensteuer
  • Einkommensteuertarif
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Lohnsteuer, Arbeitnehmerveranlagung

4. Grundlagen Lohnbuchhaltung / Sozialversicherungsrecht

  • Lohnabrechnung (vom Brutto- zum Nettolohn)
  • Sonderregelungen / besondere Personengruppen (geringfügige Beschäftigung, Gleitzonenregelung, …)
  • Meldungen und Bescheinigungen, Dokumentation der Be- und Abzüge

5. Grundlagen der Umsatzsteuer

  • Darstellung des Systems der Umsatzsteuer
  • Grundbegriffe des Umsatzsteuerrechts
  • steuerbare entgeltliche Umsätze, unentgeltliche Wertabgaben
  • Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer
  • Steuersätze
  • Steuerbefreiungen, Option zur Umsatzsteuer
  • Besteuerungsverfahren, Entstehung der Steuer
  • Kleinunternehmer

Fallstudien / Übungen

Die Lehrveranstaltungen enthalten Übungen und Fallstudien. Die Übungsaufgaben sind i. d. R. selbstständig zu lösen, die Lösung ist in den Lehrveranstaltungen zu präsentieren.

Präsentation

Die Studierenden erhalten die Aufgabe, jeweils ein Kurzreferat zu einer praxisbezogenen einkommensteuerlichen oder umsatzsteuerlichen Problematik auszuarbeiten und zu präsentieren. Das Referat ist eine Gruppenleistung. Es wird eingeschätzt, nicht bewertet.

Klausurtraining

Zum Abschluss des Semesters werden Probeklausuren geschrieben, um die spezielle Lösungstechnik in steuerrechtlichen Klausuren zu vermitteln.

Quelle: BA Leipzig (25.08.2016)

Praxisphase: Ein ganz normaler Tag in der Kanzlei

Wie bei einem dualen Studium im Bereich Steuerberatung / Wirtschaftsprüfung üblich, beginnt nach der dreimonatigen Theoriephase endlich die dreimonatige Praxisphase in der Steuerkanzlei. Im Folgenden schildere ich Dir, wie mein typischer Arbeitstag im ersten Semester aussah. Ein regulärer Arbeitstag fängt bei mir um 7 Uhr an. Nach zwei Stunden Arbeit folgt die erste Pause des Tages, welche eine halbe Stunde beträgt. Diese erste Pause wird in unserer Kanzlei für ein gemeinsames Frühstück genutzt. Gegen 9:30 Uhr geht es dann wieder an die Arbeit bis ca. 12 Uhr. Dann folgt nämlich die zweite Pause des Tages. die, wie sollte es auch anders sein, zum Mittagessen gedacht ist. Anschließend folgt der letzte „Akt“ des Arbeitens. 15:30 Uhr ist schließlich Feierabend.

Typische Aufgaben für Studenten in der Steuerkanzlei

Nun möchtest Du sicher noch wissen, mit welchen typischen Aufgaben Du im ersten Semester in der Praxis konfrontiert wirst. Diese sind eigentlich recht überschaubar. In der Regel wirst Du lediglich Aufgaben bekommen, welche Dir einen ersten Eindruck im Bereich Steuern vermitteln. Dies sind besonders Aufgaben im Bereich Buchführung. Bedeutet also, Du bekommst einen Ordner von einem bestimmten Mandanten, welcher Ein- und Ausgangsrechnungen enthält, die Du nun verbuchen sollst. Einfach ausgedrückt: Du erfasst die Geschäftsvorfälle Deines Mandanten. Das ist dann auch quasi Dein erster Kontakt mit der Buchführungssoftware in Deiner Kanzlei. Häufig ist das Programm von DATEV. Damit wirst Du im Verlauf Deiner Ausbildung beispielsweise auch Jahresabschlüsse, Lohnabrechnungen und Steuererklärungen erstellen.

Ein zweiter wichtiger Bereich ist die Büroorganisation. Hier wird Dir gezeigt, welche Arbeitsabläufe im Alltag einer Steuerkanzlei anfallen und wie diese im Idealfall bewältigt werden. Dies wird Dir ein besseres Verständnis dafür vermitteln, welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Abteilungen einer Steuerberatungskanzlei bestehen. Neben diesen „Haupttätigkeiten“ wirst Du natürlich auch mit weiteren kleineren Aufgaben betraut. Diese variieren selbstverständlich von Unternehmen zu Unternehmen und können so nicht pauschal beschrieben werden. Lass Dich einfach überraschen ;-) .

Ich hoffe, Dir mit diesem kleinen Einblick in den Ablauf des ersten Semesters ein bisschen Lust auf das duale Studium im Bereich Steuern gemacht zu haben. In den nächsten Wochen wirst Du einen weiteren Beitrag von mir auf Steuer Deine Karriere finden, welcher Dir einen Ausblick auf den Ablauf des zweiten Semesters gewährt.


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