Ein Tag im Leben als angehende Steuerfachangestellte

27. September 2018 von

Dieses Mal schildere ich Dir, wie ein normaler Tag bei mir aussieht. Dadurch bekommst Du einen besseren Einblick in die Ausbildung zur Steuerfachangestellten. Jetzt, im 3. Lehrjahr als angehende Steuerfachangestellte, arbeite ich vier Tage in der Steuerberaterkanzlei und bin einen Tag in der Berufsschule.

Der Arbeitsalltag in der Steuerberaterkanzlei

Wenn ich arbeiten gehe, beginnt mein Tag morgens um 6:30 Uhr mit Duschen. Ich bin eine Frühduscherin, das brauch ich, um wach zu werden. Frühstück lasse ich zuhause ausfallen, da ich mir immer etwas in die Kanzlei mitnehme. 7:30 Uhr mach ich mich dann auf den Weg. Zu Fuß brauche ich ca. 20 Minuten bis ins Steuerbüro. Das heißt, ich bin meistens 7:50 Uhr in der Kanzlei, und dann gibt es endlich was zu essen. Frühstück ist sehr wichtig für mich, da es mich mit Energie für den Tag versorgt.

Müsli und Orangensaft zum Frühstück in der Steuerkanzlei

Als Steuerfachangestellte in Ausbildung gibt es bei mir immer mal was anderes, z. B. Kellog‘s, Brot oder Müsli.

Um 8:00 Uhr starte ich dann mit meinen Aufgaben. Die variieren von Tag zu Tag. Ich erledige die Buchhaltungen von Friseuren, Bäckereien, Hotels und Ärzten – für Abwechslung im Beruf Steuerfachangestellte ist also immer gesorgt. Natürlich nimmt jede Buchhaltung auch andere Zeiträume in Anspruch. Für manch eine benötige ich bloß eine Stunde, für andere brauch ich auch mal länger. Heutzutage kommt es auch darauf an, ob man die Belege noch richtig „Old School“ in einem Hefter vor sich liegen hat oder ob man digital bucht. Bei uns z. B. erledigen wir das häufig über die Software „Unternehmen online“. Hier scannen die Mandanten die Belege meist selbst ein, laden diese zu uns hoch und meine Kollegen und ich verbuchen sie dann – ganz ohne Papieraufwand.

Zu meinen weiteren Aufgaben als Auszubildende gehören auch die Lohnabrechnungen. Diese kommen immer Anfang des Monats und müssen von meinen Kollegen und mir in der Kanzlei erstellt werden. Das wird dann zeitlich meist ein bisschen tricky, weil manche Mandanten keine Dauerfristverlängerung haben. Das bedeutet. dass diese Mandanten nicht berechtigt sind, ihre Umsatzsteuer-Voranmeldung einen Monat später beim Finanzamt einzureichen. Das hat zur Folge, dass ich mich als Auszubildende oder der jeweilige Steuerfachangestellte beeilen muss, damit Buchhaltung und Löhne pünktlich erledigt sind.

Löhne für Mandanten zu bearbeiten, macht mir viel Spaß, Denn das ist wirklich abwechslungsreich. Mal kommt ein neuer Mitarbeiter ins Unternehmen, es kündigt einer, jemand wird krank oder schwanger, ein anderes Mal muss Weihnachts-/Urlaubsgeld gezahlt werden. Es gibt also immer Sachen, bei denen Du das Köpfchen einschalten und vielleicht auch mal grübeln musst. Um 12:00 Uhr habe ich dann eine halbe Stunde Mittagspause, bevor ich am Nachmittag nochmal Vollgas gebe. Es werden Jahresabschlüsse von Mandanten vorbereitet, Schreiben archiviert und manchmal vertretungsweise die Post in der Steuerkanzlei erledigt.

Du siehst, es wird nie langweilig in der Kanzlei beim Steuerberater. 17:00 Uhr endet meine Arbeitszeit. Dann gehe ich wieder nach Hause und fang meist mit dem Kochen an. 18:30 Uhr kommt dann auch mein Freund heim und wir essen Abendbrot. Danach variiert unser Tagesablauf: Hausarbeit, Fitnessstudio, Freunde und Familie treffen, Schularbeiten bzw. Lernen stehen auf dem Plan. So gegen 22:30 Uhr geh ich schlafen, damit ich fit für den nächsten Tag bin.

Ausbildung Steuerfachangestellte – Der Alltag in der Berufsschule

Berufsschule ist so eine Sache, ich geh lieber Arbeiten, denn ich bin eher ein praktischer Typ. Ich lerne Theoretisches am besten, wenn ich es praktisch machen muss. Mir fällt es schwer, wenn ich mir in der Schule die Theorie praktisch vorstellen muss.

Als Görlitzerin ist meine Berufsschule in Löbau. Ich stehe um 5:45 Uhr auf, geh wieder duschen und mach mich fertig. 6:45 Uhr laufe ich zum Bahnhof. Dort wartet auch schon eine Klassenkameradin, die mich mit in die Schule nimmt. 7:30 Uhr beginnt der Unterricht. Eine Schulstunde dauert 45 Minuten. Im 3. Lehrjahr in der Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten hast Du nur noch Hauptfächer: Rechnungswesen, Steuerlehre, Allgemeine Wirtschaftslehre, Mandanten orientierte Kommunikation und Fächerübergreifende Projekte. Ich persönlich finde Rechnungswesen am schwersten. Hier fällt es mir nicht so leicht, Theorie und Praxis zu verbinden. Das will ich kurz erläutern: In der Praxis buchst Du über Automatikkonten. Das heißt, Du bebuchst nur ein Konto und das Programm zieht sich von allein im Hintergrund die Steuer und verbucht diese. In der Schule musst Du das jedoch alles einzeln und selbst machen.

Mein Lieblingsfach ist Steuerlehre. Jetzt im 3. Lehrjahr in der Ausbildung zur Steuerfachangestellten ergibt alles Sinn. Alles, was ich in den vergangenen zwei Jahren gelernt habe fügt sich zusammen und ich kann gut arbeiten. In dem Fach Mandantenorientierte Kommunikation (MOK) wirst Du auf die mündliche Prüfung vorbereitet. Jede Stunde kommt ein/e Auszubildende/r Steuerfachangestellte/r mündlich mit einem Thema dran und bekommt dafür eine Note. Im Fach Fächerübergreifende Projekte (FÜP) behandelst Du Themen die zu allen Hauptfächern gehören.

8 Schulstunden hat man immer mittwochs. Die beinhalten 2 Stunden Rechnungswesen, 2 Stunden Allgemeine Wirtschaftslehre, 2 Stunden Steuerlehre und je 1 Stunde MOK und FÜP. 14.45 Uhr ist dann Schlussschluss. Danach fahre ich mit einer anderen Klassenkameradin heim und wir üben für die Abschlussprüfung. Hefter durchgehen, eventuell offene Fragen aufschreiben und Prüfungen durchgehen (es gibt die alten Prüfungsaufgaben auf der Steuerberaterkammer Website). Das machen wir bis ca. 17:00 Uhr und dann geh ich wieder nach Hause und der restliche Tagesablauf ist identisch mit dem oben bereits beschriebenen.

Fazit

Der Beruf als Steuerfachangestellte ist sehr abwechslungsreich und vielfältig. Egal ob Berufsschule oder Kanzlei: Du hast immer was zu tun und musst einen klaren Kopf bewahren. Die Ausbildung ist vielleicht nicht immer leicht, dafür wirst Du aber einen sicheren Arbeitsplatz finden. Trotz des Lernens bleibt auch noch genügend Freizeit. Besonders komfortabel ist es, wenn Deine Kanzlei eine Gleitzeitregelung hat. Dann kannst Du Dir die Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen selbst einteilen. Das ist beispielsweise besonders praktisch, wenn Du schon Familie hast und zeitlich flexibel sein musst.


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