Die Lohnabrechnung: „Ich kenne Dein Gehalt“

19. Mai 2016 von

Was verdienen eigentlich selbständige Versicherungsvertreter, Rechtsanwaltsfachangestellte, Bauunternehmer oder Ärzte? Die Frage nach dem Lohn oder Gehalt in einzelnen Branchen hat sich sicherlich jeder schon mal gestellt. Als Steuerfachangestellte/r bist Du darüber bestens informiert, denn in der Regel bekommst Du bei der Betreuung Deiner Mandate auch Einblick in deren Löhne oder Gehälter. Teilweise bist Du sogar für die Lohn- und Gehaltsabrechnung verantwortlich, manchmal übernimmt es aber auch ein Kollege oder eine Kollegin von Dir. Dennoch lernt jeder Steuerfachangestellten-Azubi in der Berufsschule, Löhne zu errechnen. Im Steuerbüro hast Du dann oftmals die Chance, Deine theoretischen Kenntnisse praktisch anzuwenden – mit echten Fällen und Menschen. Nachfolgend möchte ich Dir einen kurzen Einblick geben, was die Lohn- und Gehaltsabrechnung alles umfasst. Wenn Du selbst schon einmal, z. B. bei einem Ferienjob oder Praktikum, Geld verdient hast, wirst Du nach dem Lesen des Textes besser die Hintergründe verstehen.

Unterschied zwischen Lohn und Gehalt

Viele denken, dass Lohn und Gehalt zwei Begriffe sind, die dasselbe bedeuten – also Synonyme sind. Das ist aber nicht ganz korrekt. Lohn und Gehalt lassen sich umgangssprachlich nach der Art der Beschäftigung unterscheiden. Arbeiter bekommen Lohn und Angestellte Gehalt. Konkret besteht die Differenzierung aber darin, dass Gehälter jedem Monat die gleiche Höhe aufweisen. Löhne hängen hingegen von der geleisteten Arbeit ab, beispielsweise der gefertigten Stückzahl oder der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage in einem Monat.

Wichtige Begriffe bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung

Brutto (mit Steuer) und Netto (ohne Steuer) sind im Lohn nicht die gleichen Begriffe wie zum Beispiel in der Buchhaltung. Denn bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung wird vom Bruttolohn nicht nur die Steuer (Lohnsteuer und eventuell Kirchensteuer), sondern auch die Sozialversicherung, abgezogen. Erst dann ist man beim Nettolohn. Der Nettolohn ist der Betrag, der auf dem Konto eines jeden Arbeitnehmers erscheint und wird deshalb auch „Auszahlungsbetrag“ genannt.

Steuerfachangestellte sind auch für die Lohn- und Gehaltsabrechnung verantwortlich.
In der Steuerfachangestellten-Ausbildung gehört die Lohn- und Gehaltsabrechnung immer dazu.

 

Lohn- und Gehaltsabrechnung ist abwechslungsreich

Bruttolohn kann dabei ganz verschieden sein. Es gibt Arbeitnehmer die ein festes Gehalt bekommen, also jeden Monat die gleiche Höhe. Aber es gibt auch Arbeitnehmer, die neben ihrem festen Gehalt noch eine Provision oder Prämien bekommen, wenn sie zum Beispiel besonders viele Produkte des Unternehmens in dem Monat verkauft haben. Dann gibt es Arbeitnehmer, die nach Stunden abgerechnet werden. Dies ist besonders spannend geworden, seitdem es den Mindestlohn gibt. Nicht vergessen sollte man auch die Auszubildenden. Ihre Lohnart nennt man „Ausbildungsvergütung“, welche auch auf einer Gehaltsabrechnung berechnet wird. Wie du siehst, noch bevor man Steuern und Beiträge abgezogen hat, gibt es schon eine Reihe von Dingen zu beachten.

Steuern richtig berechnen

Die Höhe der steuerlichen Abzüge ist von einem Gesamtbrutto – also allen Bezügen, die ein Arbeitnehmer brutto erhält – abhängig. Hier muss man vor allem die steuerfreien Bezüge beachten, wie zum Beispiel Kindergartenzuschuss oder Sonn- und Feiertagszuschläge. Als kleinen Spicker kann man hierfür die §§ 3 und 3b Einkommensteuergesetz (EStG) verwenden. Weiterhin sollte man wissen, ob der Arbeitnehmer eine Konfession hat, wenn ja, dann muss er auch Kirchensteuer zahlen, die direkt vom Gehalt einbehalten wird. Gut, soweit die Steuern.

Sozialversicherungsabgaben berücksichtigen

Nächster Schritt sind die Sozialversicherungsabzüge, unter anderem Kranken- und Pflegeversicherung. Diese Abzüge sind auch von der Höhe des Gesamtbrutto abhängig. Allerdings gibt es in der Sozialversicherung auch Grenzen, bis zu welchem Betrag des Gehaltes man höchstens Beiträge zahlen muss, die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen.

Das Gesamtbrutto – vermindert um die zu zahlenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge – ergibt den Netto-Verdienst, also ist man schon fast am Ziel. Im unteren Teil der Abrechnung, die der Arbeitsnehmer erhält, werden noch Netto Be- bzw. Abzüge erwähnt.

Dann bist Du am Ziel

Der Auszahlungsbetrag ist errechnet und der Unternehmer kann seinem Arbeitnehmer den richtigen Lohn oder das Gehalt überweisen.

Neben dem Löhne rechnen gibt es noch viele weitere Aufgaben: Die Anfragen der Krankenkassen müssen beantwortet werden. Hat die Krankenkasse schon mitbekommen, dass der Arbeitnehmer schon sehr lange krank ist? Stimmt der Steuerbescheid für die Lohnsteuer vom Finanzamt mit den eigenen Berechnungen überein? Ein Arbeitnehmer hat letzte Woche geheiratet: Wurde die Steuerklasse schon angepasst? Denn dann muss er vielleicht auch andere Steuern zahlen. Und so weiter.

Fazit

Im Lohnbereich gibt es viel zu beachten und jeden Tag erfährst Du etwas Neues. Und so lernst Du jeden Tag nicht nur für Deine Steuerfachangestellten-Ausbildung, sondern zugleich für das praktische Leben! Das allerbeste Gefühl ist es dann, wenn Du Deine eigene Lohnabrechnung verstehst und Dich nicht mehr wunderst, wie die Beträge zu Stande kommen.

In manchen Kanzleien gibt es auch Steuerfachangestellte, die sich auf Lohn- und Gehaltsabrechnung spezialisiert haben. Sie sind echte Experten auf diesem Gebiet. Seit 2015 können Steuerfachangestellte deshalb eine Fortbildung zum/zur Fachassistent/-in Lohn und Gehalt absolvieren.


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